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Evangelisches Dekanat Nidda


Gedanken zum Sonntag – 1.08.2010: Nur eine kleine Schraube
von Gert Holle
Zahllose Reiseangebote in Prospekten, auf den einschlägigen Internetseiten und in der Fernsehwerbung haben die Lust geweckt, fortzufahren. Es ist Ferienzeit. Einfach mal raus, die Seele baumeln lassen, die Füße irgendwo in einen kühlen See strecken, Sehenswürdigkeiten bestaunen, in einem netten Café die Sommertage bei einem aufgeschäumten Cappuccino genießen. Endlich mal raus aus dem Alltag – rein ins Vergnügen. Eintauchen in das, worauf man sich schon lange gefreut hat, hart erarbeitet. Sehnsüchte – Hoffnungen – Erwartungen …. Doch dann kommt alles ganz anders: Andrang an den „Last-Minute-Schaltern“, dichtes Gedränge in den Abfertigungshallen, Autos im Stau, überfüllte und überhitzte Züge. Die Lust wird zum Frust. Wo bleibt da die Erholung? Muss ich mir das antun?

Erholung hat etwas mit „Innerem Frieden“ zu tun. Wer den hat, der findet „etwas Schönes“ auch in seiner nächsten Umgebung, in seinem „grauen Alltag“. Er freut sich – ganz gelassen – auf den Feierabend, das Wochenende, den Urlaub. Dann ist nicht nur das Ziel wichtig, sondern auch schon der Weg so etwas wie Erholung. Das aber nur mit meinen wichtigsten Reisebegleitern: Innere Ruhe und Frieden. Dann kann ich befreit aufatmen und genießen. Dazu muss man nicht unbedingt weit reisen!

Doch wo kommen diese innere Ruhe und der Frieden her? Die Bibel sagt: Tue Gutes und tröste dein Herz und treibe Traurigkeit fern von dir! Einem fröhlichen Menschen schmeckt alles wohl, was er isst!“ Wie wahr, einem „Sonnenschein“ fällt vieles leichter im Leben. Vielleicht stehen deshalb so viele morgens vor dem Spiegel und üben: ein Lächeln, ein freundliches oder energisches Gesicht.

Spiegel umgeben uns ständig: Menschen, die uns ansehen, die wir fragend anblicken: was sagst Du zu mir? Zu dem, wie ich bin, was ich tue? Da empfinde ich jemanden als rücksichtslos, aber war ich es nicht vorher zu ihm? Keiner zeigt Interesse an mir – habe ich nicht Ähnliches signalisiert? Niemand hat Zeit für mich – bin ich es nicht, der die Hektik verbreitet?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass man mich kaum beachtet, meine Arbeit nicht würdigt. Alles ist so selbstverständlich. Für die anderen. Ich bin allein auf mich gestellt. Nur eine winzige Schraube in einem riesigen Schiff, wie Rudyard Kipling erzählt. Mit vielen anderen Schrauben hält sie zwei große Stahlplatten zusammen. Mit aller Kraft. Sie ist dies aber alles leid. Sie will endlich einmal ein wenig mehr Freiheit. Und sie beginnt sich zu lockern. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese ungeheure Nachricht. Viele Schrauben erklären sich solidarisch und wollen sich ihr anschließen. Die großen Rippen und Platten aber haben Angst. Sie ächzen und stöhnen. Schließlich richten alle gemeinsam eine Botschaft an die kleine Schwester: Sie möge doch bitte bleiben. Niemand würde sonst die Heimat erreichen. Sie sei wichtig. Und alle seien füreinander da. Das tat der kleinen Schraube so richtig gut! Und sie blieb an ihrem Platz. Zufriedener und glücklicher als vorher.

Vielleicht geschieht so etwas auch einmal mit mir? Oder kann ich dieses Gefühl an jemand anders weitergeben? Wie wär’s einmal damit: ich zeige dem anderen: ich mag Dich so, ich find Dich richtig gut! Wer das spürt, strahlt etwas Neues aus, eine Schönheit, auch wenn er selber keine ist. Er ist ganz einfach schön, weil er glücklich ist, Freude empfindet, seinen inneren Frieden findet. Und sei es auch nur für einen Augenblick. Er spiegelt das zurück. Ich würde mich auch darüber freuen. Vieles Schwere und Unangenehme fiele mir dann leichter. Auch der Blick am Morgen in den Spiegel.